death by zero

im herbst 2014 machte sich nikolai auf, kälte, schmerz, trauer und abgründe aufzusuchen. er hatte zuvor bereits konzentrationslager wie dachau oder diverse andere statten des nationalsozialistischen deutschland im in- und ausland besucht. auschwitz aber, sei etwas anderes. kein anderer ort wird eine solche dunkelheit zugesprochen, wie dieser noch recht gut erhaltene und unter denkmalschutz gestellte ort. die fahrt vom heimatlichen bayern zog sich und am späten abend gab ihm das gps ein signal, am ziel zu sein. in der dunkelheit war es schwer auszumachen, wo genau er sich befand. aber kurze zeit später gab der blick zu seiner rechten flanke während einer kleinen orientierungsfahrt mauern preis, die mit stacheldraht gekrönt waren. daraufhin und ein paar minuten später war der parkplatz und der eingang zum arbeitslager auschwitz i zu erkennen. es war neblig, nass-kalt und schwärzer hätte die nacht nicht sein können. totenstill. keine menschenseele zu sehen. als klar war, hier am nächsten tag zu starten und den folgenden mit dem vernichtungslager auschwitz-birkenau fortzusetzen, wollte er bevor er sich im wagen zum schlaf einrichtete, noch schnell die paar kilometer raus, zu besagtem lager fahren. nach einer weile und nur unzureichend beschilderten schildern, war in einem gemisch aus nebel und schwarzem kleid, die schienen und der höllenschlund des wolfes (eingangstor) wie gespenstische klänge einer unheilvollen nacht erkennbar.

»der tag nach dem ersten wies mir den weg zurück nach auschwitz-birkenau. ich war aufgrund der doch recht anstrengenden kalten nächte im wagen, zunehmend kaum zu schlaf gekommen. wie ein graues konstrukt aus schwere und beklemmender stille, empfing mich dieser ort. die stunden verrinnen und hin und wieder weinte der himmel seine tränen über die wege, hütten, zäune, gräser und ruinen.
der eindruck gewann durch die tatsache an stärke, dass zu dieser jahreszeit und noch dazu unter diesen witterungsverhältnissen relativ wenig zustrom an torsten und schulklassen umhergingen. ich setzte meinen weg vor und war zu jeder minute überwältigt von der dimension des lagers und der darüberhinaus gelegenen, von den nazis genutzten höfe, die u.a. zu provisorischen gaskammern umfunktioniert wurden. überwuchert und nicht mehr im eigentlichen sinne der gedenkstätte erkennbar, ist der lagerblock für jüdische häftlinge, der nördlich der küchenbaracken auftat. im verlauf des tages war ich an einem punkt angekommen, der die tränen in meinen äugen nicht mehr zurückhalten konnte. es war der augenblick, an dem ich eine rose inmitten eines stacheldrahtzaunes seitlich des schienenverlaufs, wo einst die rampe für ankommende häftlinge war.«

auschwitz war durch seine beiden lager und dem geplanten »lager III«, angrenzenden verwaltungsgebäuden und ss-kaserne, sowie den weiteren von den nazis genutzten, teils beschlagnahmten einrichtungen, wie eine perfekt organisierte ganze stadt zum wohle der vernichtung.

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