w wie wünsdorf 1

südlich von berlin liegt das ehemalige militärische areal wünsdorf, das von der kaiserzeit an bis zum abzug der sowjetischen truppen teils bis zu 75.000 angehörige beherbergte und wahrlich nicht nur eine geschichte zu erzählen hat.

mit der machtergreifung der nsdap ende januar 1933 entwickelte sich wünsdorf zu einem zentrum in der entwicklung der schnellen truppen und insbesondere der panzertruppen. bereits 1931 war eine erste motorisierte einheit der reichswehr nach wünsdorf verlegt worden, nun aber begann man, die militäranlagen stark zu erweitern. 1933 wurde auf dem truppenübungsplatz der erste panzerverband der künftigen deutschen wehrmacht, 1935 die 3. panzer-division in wünsdorf neu aufgestellt sowie die heereskraftfahrschule in den ort verlegt. im märz 1935 bezog das oberkommando des heeres (okh) sein hauptquartier; das oberkommando der wehrmacht (okw) folgte 1938. um die angehörigen und angestellten der wehrmacht unterzubringen, begann man eine waldsiedlung im norden des ortes zu bauen. zur zeit der sowjetischen besatzung war in diesem gebiet das 3. militärstädtchen (»fliegerstädtchen«) untergebracht. heute ist der bereich öffentlich zu besichtigen und unter dem namen »bücher- und bunkerstadt wünsdorf« bekannt.

die bestehenden militärsportanlagen wurden im jahr 1936, im vorfeld der olympischen spiele, für das training der deutschen mannschaft genutzt. zur gleichen zeit entstand die militär-badeanstalt, die mitte der 1950er von den sowjetischen streitkräften umgebaut wurde.

1937 begannen die arbeiten für die bombensicheren und zum teil unterirdischen bunkeranlagen (tarnbezeichnung »maybach i« und »maybach ii«) samt hochmoderner nachrichtenzentrale »zeppelin« und etwa 20 luftschutzbunker (hochbunker der bauart winkel). zur tarnung entstand oberirdisch eine siedlung im landhausstil. die arbeiten an maybach i waren 1939 abgeschlossen und die in bis zu 20 metern tiefe liegenden anlagen wurden in betrieb genommen.

wenige tage vor dem deutschen überfall auf polen wurde am 26. august 1939 das okh-hauptquartier in die bunkeranlage »maybach i« verlegt. die bunkeranlage »maybach ii«, fertiggestellt im frühsommer 1940, beherbergte das okw. bis zum april 1945 kamen aus dem »zeppelin«-bunker (tarnbezeichnung »amt 500«), einem der größten nachrichtenknotenpunkte während des zweiten weltkriegs, die befehle zu den deutschen truppen. zusätzlich wurden ab 1943 wegen der stärkeren luftangriffe der alliierten auf berlin weitere dienststellen der wehrmacht nach wünsdorf verlegt, unter anderem teile des heereswaffenamtes und stellen des oberkommandos des heeres.

nach den ersten bombardierungen 1945 flog die 8. us-luftflotte am donnerstag, den 15. märz 1945 mit über 580 maschinen den dritten und schwersten angriff auf wünsdorf. dabei starben 120 menschen und zahlreiche häuser wurden beschädigt oder zerstört. am 20. april erfolgte der einmarsch sowjetischer truppen, wünsdorf wurde fast kampflos übergeben. der militärische führungsstab des sowjetischen marschalls schukow nahm sein quartier in wünsdorf für die schlacht um berlin.

wjunsdorf (вюнсдорф), wie der ort von den »russen« genannt wurde, blieb somit militärisch und erhielt den sitz des oberkommandos der gruppe der sowjetischen streitkräfte in deutschland (gssd) (ab juni 1989 unter der bezeichnung westgruppe der truppen). der bahnhof wünsdorf war mit eigenem bahnhofsteil der bahnhof der sowjetischen truppen und damit einer der vier sonderbahnhöfe der alliierten in berlin und dessen umgebung (vgl. bahnhof berlin-lichterfelde west – für die us-truppen, bahnhof berlin-tegel – für die französischen truppen, bahnhof berlin charlottenburg – für die britischen truppen). es gab bis 1994 einen täglichen zug nach moskau.

dem potsdamer abkommen entsprechend wurden die bunkeranlagen und der größte teil der luftschutztürme nach der demontage der technischen ausrüstungen 1947 gesprengt, um sie für eine weitere militärische nutzung unbrauchbar zu machen. am „amt 500“ wurde nur der westeingangsbereich zerstört, der baukörper selbst widerstand den sprengungen. im märz 1953 begann die räumung von wohnungen und häusern, der post, apotheke, spar- und darlehenskasse und von geschäften östlich der bahnlinie, die b 96 wurde für den durchgangsverkehr gesperrt, etwa 800 einwohner umgesiedelt und 30.000 sowjetische soldaten stationiert.

die wünsdorfer bevölkerung gründete im jahre 1955 auf den militärisch nicht genutzten flächen die erste lpg (typ i) mit 10 mitgliedern und 31 hektar und 1961 wurden die lpgen »deutsch-sowjetische freundschaft« und »heimatliebe« in wünsdorf vereinigt. im selben jahr erfolgte die gründung der pgh des dachdeckerhandwerks. gemeinsam mit der revierförsterei stellten sie bis zur wende die größten arbeitgeber des ortes.

unter dem oberkommandierenden marschall iwan konew wurde von wünsdorf aus der sowjetische panzerschutz für den bau der berliner mauer organisiert. um die luftsicherheit über der ddr zu garantieren, wurde am 22. oktober 1971 in wünsdorf die »vereinigte hauptzentrale 14« (luko) gegründet, in der bis 1990 sowjetische mit offizieren der nva, ab der deutschen wiedervereinigung mit offizieren der bundesluftwaffe, zusammenarbeiteten. der stab der 16. sowjetischen luftarmee (16. la) mit den zuletzt geführten tarnnamen »ranet« bzw. »wimpel« hatte ab 1977 seinen standort in wünsdorf. kommandozentrale des »ranet« war der zeppelin-bunker (amt 500), den man zu diesem zweck repariert und mit einem schleusensystem aus panzertüren versehen hatte.

außer den etwa 2700 einwohnern lebten zu spitzenzeiten 50.000 bis 75.000 sowjetische männer, frauen und kinder dort. für bürger der ddr war das areal sperrgebiet. innerhalb des umzäunten und ummauerten geländes befanden sich bis 1994 zahlreiche sowjetische einrichtungen wie kindergärten, schulen, sportplätze, schwimmbäder und geschäfte.

der abzug der truppen erfolgte 1994. sie hinterließen im september 1994 eine menschenleere garnisonsstadt und ein areal von 260 hektar munitionsverdächtiger fläche. 98.300 stück munition und 47.000 stück sonstige kampfmittel, 29,3 tonnen munitionsschrott und weitere bomben- und waffenteile wurden entsorgt. 45.000 kubikmeter haus- und sperrmüll wurden abtransportiert; hinzu kamen tonnenweise chemikalien, altöle, altfarben, altreifen, akkumulatoren sowie asbestabfälle.

bereits 1992 wurde die landesentwicklungsgesellschaft für städtebau, wohnen und verkehr des landes brandenburg mbh (leg) einbezogen, um die nutzung nach 1994 vorzubereiten. ihre hauptaufgabe lag in der entwicklung eines wohnungspolitischen konzeptes für wünsdorf. am 23. juni 1995 wurde die entwicklungsgesellschaft waldstadt wünsdorf/zehrensdorf (ewz) als tochter der leg mit anteilen der gemeinde wünsdorf und des landkreises teltow-fläming gegründet, »um in wünsdorf eine modellhafte konversion vorzuführen, um zu zeigen, wie man mit kasernen, mit militärischem erbe umgehen kann«. so erwarb die ewz flächen im raum wünsdorf von der brandenburgischen boden (bbg) zu entwicklungs- und vermarktungszwecken. die gemeinden wünsdorf und waldstadt hätten dieses mit ihren eigenen mitteln nicht gekonnt. ein konzept zur stadtentwicklung bis zum jahr 2005 wurde erarbeitet. im jahr 2001 wurde die ewz-geschäftsstelle in wünsdorf aufgelöst. die aufgabe, 590 hektar fläche und rund 700 sanierungsfähige gebäuden einer zivilen nutzung zuzuführen, führt die ewz aus groß glienicke weiter, wo die muttergesellschaft, die leg i.l. ihren sitz hat. bereits 1992 wurde mitten im ehemaligen truppenübungsplatz die ateliergemeinschaft töpchin gegründet. bildende künstler wie andreas theurer, harald müller, susanne specht, yoshimi hashimoto, sieghard auer, ralf sander gründeten hier eine kulturelle insel in einem ehemaligen geheimen filmarchiv.1995 wurde in den leeren kasernen die kunstausstellung „geisterstadt geistesstatt“ von manfred sieloff und der ateliergemeinschaft töpchin organisiert.

in den verlassenen stabsgebäuden wurden zahlreiche behörden angesiedelt, darunter das brandenburger landesamt zur regelung offener vermögensfragen und das brandenburgische landesamt für denkmalpflege und archäologische landesmuseum. die ehemaligen kasernen wurden zum größten teil zu wohnhäusern umgebaut, auf freigeräumten flächen entstanden einfamilienhausgebiete und es wurden nahversorgungseinrichtungen, eine grundschule sowie kindergärten errichtet. diese stellen jetzt zusammen den gemeindeteil waldstadt dar.