short blonde mission

als solistische zwischenmahlzeit auf dem weg zum zweiten konzeptalbum mit lost & distorted, betrachtete nikolai alexand tarasow seine mission, die ihn zuletzt kreuz und quer durch skandinavien führte. die tour sollte zweierlei erfüllen. einerseits als sehr naturverbundener mensch liebt er es ja, sich gerade dort aufzuhalten, wo der mensch vielleicht noch nicht so zahlreich seine spuren hinterlassen hat. aber natürlich zieht es ihn auch immer wieder in die von menschen geschaffenen welten. »möglicherweise braucht es beide«. auf der anderen seite war der zweck von »short blonde mission«, einen kreativen zweiteiler zu schaffen, der 1. fotografisch inhalte und 2. in form einer ausstellung konzeptionelle arbeiten und lyrik in den vordergrund stellen soll. dabei könne er sich nur zu gut ein mögliches »double-feature« mit einem der parallel laufenden projekte »harlekin« und »veränderte wahrnehmung« vorstellen. auch hier steht und fällt ein absehbarer termin für eine entsprechende ausstellung mit der richtigen örtlichkeit.
mit fotoausrüstung, notizblock, schlafsack und ausreichend lebensmittel machte er sich in seinem wagen auf den weg von berlin aus richtung norden. lediglich mit einem zuvor grob abgesteckten rahmen ließ er sich treiben und ließ der spontanität ihren lauf.
so trieb sie ihn über die südspitze schwedens erst an der küste entlang nach göteborg und dann durchs landesinnere weiter nach oben. es war ein unbeschreibliches gefühl der freiheit und spürbarem raum, der einem in vielen städten definitiv abhanden kommt und der unbeschreiblich wichtig ist. weshalb man derart oft in unserer gesellschaft ausspruch wie »ausbrechen aus dem alltag« nachlesen oder zu hören bekommt.
im zick zack kurs ging es durch die lande, mal auf der landstraße, mal kurze abschnitte auf der kaum befahrenen autobahn. doch eine vielzahl von stunden trugen die beine durch schluchten, wälder, über berge, an seen und küsten entlang, durch enge gassen und breite straßen prachtvoller städte und romantischer dörfer.
immer wieder halt machen und spüren, was aug, ohr und nase wahrnehmen. ohne das verlangen, am laufenden bande als travel-blogger sich der menschheit aufzudrängen und niemals elektronisches beiwerk ruhen zu lassen, waren es oftmals nur drei – die natur, er und die ruhe. in so manchem nationalpark schwedens glaubte er, in der sagenwelt walhallas gereist zu sein.
in städten wie oslo, stockholm oder turku in finnland war es dann wieder die inspiration menschlicher kulturen und individueller schaffenskraft, die in reizte, nebst einsamkeit im grünen auch die bewegung zu suchen.
die entschlackte weitläufige landschaft skandinaviens mit gespickten ballungsräumen, traditionell verbunden und innovativ, geben zeugnis darüber, weshalb in diesen regionen trotz teils halbjährlicher finsternis, die zufriedenheit weltweit am höchsten ist. klare wasser, frische luft, ein paradies.
er nahm die gelegenheit egal wo er gerade auf zivilisation traf gerne war, mit den menschen zu sprechen und wie ein schwamm aufzusaugen, welche kleinen und großen dinge die leute beschäftige. (zeitgleich nutze er die gelegenheiten, um für lost & distorted eine neue strategie zu fahren und den »veganism fashion cast« ins leben zu rufen, der unabhängig diverser mode-shootings mit lebenden mitmenschen aus fleisch und blut, gerade verschiedenste elemente nutzt, um die produkte in szene zu setzen. dies können bäume, stählerne geländer, türen, zäune usw. sein. eben alles was in der gegangen welt regelkonform ist).
nachts packte nikolai entweder sein zelt aus und campte, oder er schlief in seinem wagen. die flexibilität und freiheit stets an seiner seite. »es war einfach wundervoll wieder unterwegs zu sein.«